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August 2019

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Heu- und Strohernte 2019

Jugendliche im Tier- und Umweltschutz

Vorbemerkung:

Heute, am Montag, den 19.8.2019 nach einem lautstarken Gewitter in der Nacht in Happach, melden auch die Nachrichten Schäden an Häusern, Infrastruktur-Einrichtungen und Straßen, die durch umgestürzte Bäume versperrt wurden. Der Bahnverkehr wurde zum Teil eingestellt. Zahlreiche Menschen sichern provisorisch ihre Dächer vor weiteren extremen Regenschauern usw.

Hier in Happach zog das Unwetter lautstark ohne Schäden vorbei. Es gab ein heftiges Blitzgewitter mit Donner und Starkregen (16 Liter/m² Niederschlag). In unserer kleinen Dependance war zu diesem Zeitpunkt Mensch und Tier bereits sicher untergebracht.

Heu-, Korn- und Strohernte 2019

Gestern zeigte sich, wie ein eingespieltes Team aus Kindern, Jugendlichen und Eltern schnell reagieren, um Engpässe zu meistern: Auch ein Ergebnis unserer Langzeitstudie mit Kindern, Jugendlichen, Tieren und der Natur.

Mit großem sportlichem Einsatz wurden gestern am Sonntagnachmittag 15 Wagenladungen mit kleinen Stroh-Hochdruckballen in unsere Speicher befördert und zwei weitere vollbeladene Wagen gut geschützt untergestellt, bevor der von den Wetterämtern angekündigte Regen einsetzte.

Geht so etwa überhaupt und dies an einem herrlichen Sonnen- Sonntagnachmittag?

Insgesamt 21 Wagen d. h. ca. 2100 Stroh-Büschel mit jeweils 15 bis 18 kg, also insgesamt fast 38 Tonnen wurden am Samstag/Sonntag eingefahren und in unsere Dachspeicher verstaut.

In diesem Jahr war die Heu- und Strohernte wieder – wie bereits im letzten Jahr – durch schnell wechselnde Wetterlagen belastet: Zu heiß für die Jahreszeit, aber auch mit kurzen plötzlichen Regengüssen. Die Jahres-Zyklen in der Landwirtschaft verschieben sich zunehmend auf einen früheren Zeitpunkt.

Gutes Pferdeheu für unsere 21 „Helden“ wird später schonend, etwa Mitte Juni geerntet und braucht deshalb mindestens 4 trockene Sonnentage. Getreidestroh als Nebenprodukt, benötigt nur 2 Sonnentage. Bei der Vollernte des Getreides – etwa Anfang/Mitte August ist, unter Berücksichtigung des Reifeprozesses der Körner, die Feuchtigkeit des Korn ausschlaggebend.

In diesem Jahr waren die Erträge bei der Heuernte sehr gut. Unser kleiner, gebrauchter Heuwender machte zwar „schlapp“, doch wir konnten einen guten, hydraulisch klappbaren Wender ausleihen. So wurde schnell und recht bequem Heu aus ca. 8 ha Wiesenfläche gewendet. Das frisch duftende Heu wurde anschließend zu Großballen gepresst. Großballen sind schnell und zeitsparender zu verstauen, so dass die duftenden Heuballen von 120 m Durchmesser (ca. 200 – 250 kg) bequem mit unserem Frontlader in unsere Speicher oberhalb von Stall 1 abgeladen und rollend eingelagert wurden. Insgesamt ca. 125 Ballen, bestes ökologisches Kräuterheu aus unseren eigenen, nicht gedüngten Wiesen wurden an einem Nachmittag schnell verstaut.

Dagegen war unsere diesjährige Korn- und Strohernte – an einem Wochenende, insbesondere an einem plötzlich 30 Grad Sonnen-Sonntagnachmittag – eine Herausforderung an unser Team. Aufgrund der chaotischen Wetterlage und der langen Abreife unseres Schwarz-/Gelbhaferkorns und des Sommerweizens, mussten wir uns in eine Warteschlange für die Gemeinschafts-Erntemaschinen einreihen. Endlich war es dann so weit. Die Messergebnisse der Haferkörner zeigten auf, dass das Korn – mit einer Restfeuchte von 12,5% gut ausgereift war.. Allerdings kündigte der Wetterbericht ein Ende der Sonnentage und danach einen Umschwung zu Starkregen an.

Also mussten wir schleunigst handeln! Auch wenn einige ehrenamtliche Mithelfer wegen familiärer Umstände oder der Urlaubszeit etc. ausfielen, hatten wir uns noch rechtzeitig für das Abernten entschieden. Schwarz- und Gelbhafersaatgut wurde zum ersten Mal versuchsweise im Frühjahr 2019 ausgebracht. Unser Versuch ist trotz Bedenken gelungen und so konnten wir am Freitag bei gutem trockenem Wetter einen qualitativ hochwertiges Schwarz-/Gelbhafer abernten.

Korn soll möglichst sofort gereinigt werden, damit nicht durch Feinteile bzw. grünes Restmaterial aus der Ernte sich die guten Trockenwert verschlechtern. Also fuhren wir mit zwei Wagen am nächsten Tag samstags durch die Prärie, durch kleine Ortschaften bis hin zur Wiege- und Reinigungsanlage. Mit einem kleinen 80 PS Traktor ist diese Fahrt – vollbeladen – etwas zeitraubend und anstrengend. Das gereinigte Korn wurde dann in Bigbags abgefüllt und nach der Rückkehr vorerst in unserer Reithalle abgeladen und gelagert. Im nächsten Arbeitsgang musste das Haferstroh nach nur 1 Tag Trocknung eingeholt werden. 1 Tag Trocknung ist nicht ganz ideal. Zumal hohe Grünanteile vorab aussortiert werden mussten. Die Aussortierung von Disteln erfordert zeitraubende anstrengende Handarbeit! Das anschließende Aufnehmen des Strohs mit unserer Hochdruckpresse erfolgte deshalb erst gegen 15:00 Uhr. Wegen der Restfeuchte entschieden wir uns zunächst für kleine Büschel, die dann noch nachtrocknen können. Unsere Hochdruckpresse schleudert die kleinen Ballen auf den rückwärtigen Anhänger. Sobald der Hänger voll beladen ist, wird er abgekoppelt und ein neuer leerer Hänger erntebereit angedockt. Der volle Hänger wird mit einem zweiten Traktor dann in den Hof gefahren und an ein Förderband abgestellt. Anschließend wird Ballen für Ballen mit einem Förderband durch die Dachluke befördert, wo zwei bis drei Leute die Ballen stapeln und im Speicher lagern. Samstags also konnten ab 15:00 Uhr bis zur Dunkelheit 5 Wagen Schwarzhaferstroh eingefahren und verstaut werden. Das Resthaferstroh mit ca. 3 weiteren Wagen sollte dann am nächsten Tag, am Sonntag eingefahren werden.

So schön, so gut – Das hört sich alles einfach an!

Aber wenn kurzfristig von unserem Dienstleister am Sonntag bei 30 Grad der Sommerweizen zusätzlich zur Ernte eingeteilt wurde und zu allem Überdruss noch die Großpresseballenmaschine ausfällt, ja dann steht man vor einer echten Herausforderung, die man als Unbeteiligter kaum nachempfinden kann. Diese gesamte Hafer/Weizen-Ernte betraf eine Ackerfläche von ca. 9,5 ha.

Der Heulagerboden hatte am Sonntag-Nachmittag eine Temperatur von mehr als 40 Grad Celsius. Jeder Ballen wiegt 15 – 18 kg. Mit Einsatz von 2 Wagen ist Akkordleistung angesagt. Somit erging dann ein WhatsApp-Rundruf an das ganze Team. Ohne große Diskussion kamen Kinder, Jugendliche, Eltern und Geschwister – eine verlässliche Mannschaft, ein Team, das still und wohlgelaunt bis abends um 22:15 Uhr insgesamt 17 Wagen Stroh in die Lager verstaute und zusätzlich den täglichen Ablauf für unsere 20 Pferde an diesem „Sonntag“ mit erledigte, so dass unsere „Helden“ gegen 22:00 Uhr von der Koppel geholt werden konnten. Das Abendfutter war bereits in den Futterbecken und so ging es – abgedeckt mit ihren „Schlafanzügen“ – ab in die sauberen Boxen!

Kinder und Jugendliche – ihren Einsatz sollte man nicht unterschätzen, sie werden als nachwach-sende Generation zweifellos das weitere Zeitgeschehen beeinflussen. Sie sind gut ausgebildet, hart im Nehmen und werden den „Klimaschutz“ in ihrer persönlichen kleinen Welt selber in ihre Verantwortung übernehmen. Sie werden besser als es uns, der ältere Generation gelungen ist, unsere wunderschönen Natur mit ihrer Fauna und Flora schützen – mit einer klaren Motivation und mit Liebe und Achtung für unsere gemeinsame Umwelt!

Seit gestern bin ich mir mit dieser Sicht sehr sicher. Ich bin dankbar, dass ich dieses Projekt initiieren und erhalten konnte. Was wir mit diesem Projekt den Jugendlichen auf den Weg mitgeben, zeigt sich in Ausnahme-Situationen, und so eine Situation ergab sich gestern. Seit fast 20 Jahren gehe ich diesen Weg des Umdenkens, für den Klimaschutzes. Kinder und Jugendliche, die hier mit eingebunden wurden, haben es scheinbar besser verstanden.

In der Nacht kam dann das gewaltige Gewitter mit Starkregen und mit Überschwemmungen in manchen tiefer gelegenen Gegenden auf. Hier in Happach konnten wir uns warm und kuschelig zurückziehen. Selbst als es kräftig blitzte und donnerte, konnte man sich gemütlich umdrehen und weiterschlafen – alles war wohlversorgt und gut verlaufen!

                                                                                   Happach, den 19. August 2019

Hannelore Gallin-Ast

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