BOOMERANG – Vollblut-Rennpferd

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Ein Erlebnis mit BOOMERANG brachte mich damals ganz klar auf den richtigen Weg. BOOMERANG sollte in Mühlheim starten. Unser damaliger Trainer meinte, er habe gute Chancen, er habe eine sehr gute Arbeit[1] absolviert. BOOMERANG war auskuriert – nach einer schonenden Überwinterungsphase in Frankreich an der Atlantikküste. Er galoppierte dort oft oder wanderte mit seinem Freund LOCANDO in den Dünen von Mont Saint Michel an Strand und Meer bei sehr mildem Klima. Das Aufbautraining wurde sorgfältig vorbereitet. LOCANDO zeigte während seines kurzen Debüts in Düsseldorf im Alter von 5 Jahren, dass er nicht nur gut gezogen, sondern ein Ausnahmepferd war. Sein Speed am Ende der ansteigenden langen Geraden mit einem damals noch jungen, aber unerfahrenen Jockey Andrasch Starke zeigte seinen Kampfgeist. Kopf an Kopf, hauchdünn der Abstand, nur das Zielfoto entschied. Er wurde Zweiter. BOOMERANG, zeigte seine Sensibilität durch große Nervosität vor jedem Start. Ich musste stets selber bei den Rennen anwesend sein. Sobald ich in der Nähe war, wurde er ruhig. So kam es, dass ich auch in Mühlheim dabei war. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Chef organisierte er einen Fahrer, der mich vom Flughafen abholte und zur Rennbahn bringen sollte. Es war Friedrich-Karl Johnssen mit seinem Mercedes Coupé und mit dicker Zigarre, die bei wichtigen Anlässen immer dabei war. Friedrich-Karl erklärte mir, dass er keine Ahnung von Rennpferden und Rennbahnen habe, aber es wäre ihm eine Ehre und Freude mich zu begleiten. Am Rennbahngelände angekommen sprang ich aus dem Wagen und suchte die Gastboxen, während mein Begleiter Friedrich-Karl in Ruhe nach einem Parkplatz suchte. Plötzlich sah ich einen kleinen Tumult. Mitten in dem Auflauf stand Friedrich-Karl mit Zigarre und belehrte den entgeisterten Ticketwächter, dass er nur eine Zigarre halte und es deshalb kein Problem sei, durch die Abgrenzungen zu gehen. Als er mich bemerkte, verwies Karl-Friedrich auf mich und erklärte dem verdutzten Ticketwärter, dass unser Pferd heute ein Rennen laufen würde. Ich unterließ es dann doch, ihm zu erklären, dass man auf dem Rennbahngelände keine Zigarren rauchen solle. Um nicht weiter unnötig zu diskutieren und Friedrich-Karl aus der Gefahrenzone zu bringen, setzte ich ihn kurzerhand in den Tribünenaufenthaltsraum, der bereits mit Besuchern gut gefüllt war. Wir fanden einen Platz neben einem netten Ehepaar, und ich gab Friedrich-Karl den Tipp, er könne ruhig für unseren Boomerang eine kleine Wette riskierten. Die Rennen begannen, Boomerang kam an den Start. Der Wetthinweis zeigte auf eine hohe Quote, d.h. man räumte unserem Pferd fast keine Siegchancen ein. Alle Pferde waren in den Start-Boxen, die Tore flogen auf und eine Reihe gut trainierter Pferde stürmte davon – das Rennen war gestartet. Plötzlich löste sich ein wunderschöner junger Galopper aus dem Gedränge. Ich dachte ich träume. Es war unser BOOMERANG – er löste sich und sauste wie der Wind nach vorn. Er galoppierte doch tatsächlich als „ERSTER“ durchs Ziel. Ich stand völlig still und konnte kaum noch sprechen. Unser liebster Held wurde „Erster“! – mit 7 Längen Vorsprung – ich konnte mein Glück – unser Glück kaum fassen. Dann eilte ich ihm entgegen, umarmte ihn, prüfte seine Beine und führte ihn auf den Siegerring. Er wusste, dass er gewonnen hatte, und für mich stand damals fest, nach dieser Rennsaison kommt er nachhause. Ich halte diese Anspannungen wegen seines früheren Sehnenschadens nicht weiter aus. Man sollte seine Beine in Zukunft nicht mehr so strapazieren. Nach der Siegerehrung und nachdem BOOMERANG versorgt war, fiel mir plötzlich Friedrich-Karl ein. Besorgt und mit großem Schuldgefühl lief ich in den Gastraum und staunte nicht schlecht. Alles sang, Friedrich- Karls Tischnachbarn standen singend auf den Stühlen und schwenkten ihr Glas. Mein Begleiter Friedrich-Karl sang ebenfalls und zog fröhlich an einer dicken neuen Zigarre. Als er mich sah, wurde ich umarmt und von seinen Tischnachbarn geküsst und fast erdrückt. Schließlich erfuhr ich, dass mein Friedrich-Karl, sehr verbunden mit seinen neuen Tischnachbarn einen geheimen Tipp für die Wetten abgegeben hatte und seinen zwei Nachbarn, mittlerweile Wett-Freunden, empfohlen hatte, mächtig auf BOOMERANG zu setzen!!! Es war ein beachtlicher Betrag, den mir Friedrich-Karl beim Abschied in die Hand gedrückt hat. Er meinte, dieser Gewinn gehöre diesem Athleten. Es war ein großartiges Erlebnis! Vielen Dank, dass ich diesen Tag mit Euch verbringen durfte. Pass mir auf diesen Großverdiener gut auf! So war es Friedrich-Karl, der spontan richtig entschieden hatte und mir seit dieser Zeit eine und meine größte Aufgabe gestellt hat. In der Tat, es sind die Athleten, die diese Renn- und Wettgewinne er-galoppieren. Wir sind in Feierlaune und hüpfen über Stock und Stein, vergessen dabei aber leicht, dass der eigentliche Gewinner bereits wieder täglich sein hartes Training absolviert und sich fit macht für ein nächstes Rennen. MEIN GROSSER DANK und meine LIEBE gebühren den Helden und meinen beiden Galopp-Lehrmeistern  BOOMERANG und LOCANDO  IN GEDENKEN.
Hannelore Gallin-Ast – Ostersamstag, den 31.03.2018
[1] Vor dem eigentlichen Rennen absolvieren Rennpferde eine Arbeit, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist und ob der Trainingsverlauf ausreichend war.