Wunderwelten der Erde
– Menschen, Tiere und Verantwortung

Tierwohl und Tierschutz am Beispiel eines Vollblut-Rennpferdes

Unsere Erde ist eine Wunderwelt mit vielfältiger Natur, unzählige Tierarten. Inmitten dieses Universums nimmt der Mensch eine besondere Rolle ein. Er ist Teil der Natur – und zugleich derjenige, der sie am tiefgreifendsten verändert. Aus dieser Sonderstellung entsteht unsere Verantwortung gegenüber Lebensräumen, gegenüber Arten – und ganz konkret – wenn wir uns für ein Tier entscheiden, also gegenüber dem einzelnen Tier.

Wird ein Tier, durch Menschen genutzt, entsteht unmittelbar Verantwortung. Nutzung kann viele Formen haben! – als Begleiter, im Sport, in der Landwirtschaft, in Therapie und Freizeit, oder als Bestandteil wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Gerade dort, wo Tiere, wie im Beispiel unsere „Vollblüter-Rennpferde“ nicht nur „mitlaufen“, sondern Mittel zum Zweck werden – für Einnahmen, Prestige, Zuchtziele oder Unterhaltung – müssen Tierwohl und Tierschutz mehr sein als nur Worte. Sie müssen Maßstab des Handelns einer berufenen Sonder-Kommission sein.

Rennsport als Wettgeschäft – und das edle Rennpferd

Der Galopprennsport ist mehr als ein sportliches Ereignis. Er ist Teil eines wirtschaftlichen Systems, dessen tragende Säule das Wettgeschäft ist. Wetten finanzieren Rennpreise, Strukturen, Arbeitsplätze, Rennvereine und nicht zuletzt die gesamte Infrastruktur des Sports. Diese Realität ist nicht verwerflich – sie ist faktisch. Der Rennsport existiert nicht, weil gewettet wird. Es wird gewettet, weil es Pferderennen gibt. Daraus folgt. Das Pferd legitimiert den Rennsport.
Das Wettgeschäft legitimiert sich über den verantwortungsvollen Umgang mit dem Rennpferd. Jede Investition, jeder Renntag und jedes einzelne Rennen müssen sich an dieser Reihenfolge messen lassen.

Problematisch wird sie jedoch dort, wo das wirtschaftliche Interesse des Wettgeschäfts in ein Ungleichgewicht gegenüber dem Pferd gerät.

Das strukturelle Ungleichgewicht

Im Zentrum des öffentlichen Interesses der Rennveranstalter steht meist nicht das Pferd, sondern Quoten und Wettumsätze, Startfelder und Renndichte, Attraktivität für Zuschauer und Wetter, mediale Verwertbarkeit des Renntages

Das Pferd wird dabei funktional betrachtet, je berühmter es ist, ist es Träger von Leistung, und Voraussetzung für das Produkt „Rennen“. Je reibungsloser dieses Produkt funktioniert, desto erfolgreicher erscheint das System.

Doch aus ethischer Sicht entsteht hier ein Spannungsfeld. Das Rennpferd ist gleichzeitig Grundlage des Geschäfts und eigentlich der einzige Beteiligte ohne Stimme?

Deshalb wurde im Deutschen Galopp-Sport eine Tierwohl-Kommission mit verantwortlichen Persönlichkeiten zu diesen Themen Tierwohl und Tierschutz gegründet, eben mit einer öffentlichen Verantwortung, die bindet.

Tierwohl im Deutschen Rennsport ist deshalb mehr als eine Gründung einer öffentlichen Institution. Sie wurde berufen mit der Verantwortung und Verpflichtung gegenüber der Gesundheit, Sicherheit, artgerechte Haltung, soziale Bedürfnisse, Stressfreiheit, sinnvolle Beschäftigung und vermeidbarem Leid für unsere Vollblüter! Tierschutz ist der gesellschaftliche und rechtliche Auftrag der Kommission, dieses Tierwohl zu sichern – insbesondere dann, wenn das Rennpferd vollständig abhängig ist.
Denn eines ist offensichtlich. Das Rennpferd kann nicht wählen. Es kann nicht widersprechen, keine Verträge kündigen, keine Bedingungen stellen. Es ist – im wahrsten Sinne – ausgeliefert. Diese Abhängigkeit macht die menschliche Verantwortung jeder einzelnen Persönlichkeit der Tierwohl-Kommission nicht kleiner, sondern größer.

Vollblut-Rennpferd – Nähe zum Menschen, totale Abhängigkeit

Ein Vollblut-Rennpferd ist ein hochsensibles Lebewesen, dem Menschen sehr nahe. Es lebt in sehr enger Beziehung und ist angewiesen auf artgerechte Betreuung, Training, Stallroutine und Management. Bereits in jungen Jahren beginnt – meist behutsam und schrittweise – die Vorbereitung auf den späteren Sporteinsatz – das Pferderennen.
Doch im Hintergrund steht mehr als der einzelne Renntag. Vollblüter werden gezüchtet, um Blutlinien international zu selektieren und die Zucht auf hohem Niveau zu halten.

Genau hier beginnt eine entscheidende Frage: Was bedeutet „hohes Niveau“ – und für wen?
Für schnellere Zeiten? Für höhere Preise? Für sportliche Rekorde? Für Marktwerte in der Zucht? Oder für robuste Gesundheit, Langlebigkeit, mentale Stabilität und ein Leben, das auch nach der Karriere würdig bleibt?
Diese Fragen sind unbequem – aber notwendig. Denn wenn „Niveau“ vor allem ökonomisch oder sportlich verstanden wird, droht das Rennpferd zum Produkt zu werden. Wird es dagegen ganzheitlich verstanden, dann ist die Zukunft auch ein Versprechen an die Verantwortung, Fürsorge und aus Respekt und Liebe für das Danach!

Das stille Einverständnis – und die moralische Verantwortung der Gremien und der Tierwohlkommission des „Deutschen Galopp“

Ein Vollblut „nimmt vieles hin“ – Training, Routine, Stallhaltung, Transport, Leistungsdruck, wechselnde Menschen, medizinische Eingriffe. Oft wirkt es, als trage dieses edle, schöne Geschöpf alles – bis zu einem guten oder schlechten Ende.
Gerade diese Bereitschaft, „mitzugehen“, ist die moralische Prüfung von jeder einzelnen Persönlichkeit in der Tierwohlkommission des Deutschen Galopp!
Denn unsere Vollblüter sagen nicht, „Es ist zu viel.“ Sie zeigen es höchstens indirekt – über Stress, Krankheiten, Unruhe, Rückzug oder Leistungsabfall. Und selbst dann werden diese Signale nicht immer als Grenze verstanden, sondern als „Problem“, das zu beheben ist, damit es weiter funktioniert.

Unsere Kernfrage lautet deshalb

Werden wir im Deutschen Galopp den Ansprüchen unserer Vollblüter gerecht – nicht nur im System, sondern im Alltag?

Ein Rennsport, der das Pferd schützt, schützt seine Zukunft. Ein Rennsport, der das Pferd benutzt, verliert seine Rechtfertigung – wirtschaftlich wie moralisch.
Eine klare Erkenntnis nach 26 Jahren erlebtes Zusammensein mit ehemaligen Rennpferden und ihrer Herdengemeinschaft. Verantwortung und Aufsicht ist nicht delegierbar. Sie liegt nicht „irgendwo“ im System, nicht nur beim Besitzer, beim Trainer, nicht nur beim Tierarzt, nicht nur beim Gestüt. Sie liegt in erster Linie unter der Aufsicht von Persönlichkeiten einer Tierwohlkommission. Aber auch letztlich bei jeder Person, die profitiert. Ein Beispiel, wir stellen scheinbar einfache Fragen, die vieles sichtbar macht.

  • Können 80% der Besitzer ihr eigenes Pferd sicher zum Absattelring führen?
  • Können sie ihr Rennpferd selbst satteln – oder verstehen sie die Vorgänge?
  • Können sie ihr Pferd ruhig und sachkundig zum Führring und anschließend auf die Bahn begleiten?
  • Wie viele Besitzer putzen ihr Pferd regelmäßig selbst – und erkennen dabei kleine Veränderungen (Wärme, Schwellung, Schmerz, Verhalten)?
  • Wie viele Besitzer füttern ihr Pferd selbst, reiten oder erleben sie täglich während der Arbeit, kennen sie seine Vorlieben und Stressanzeichen?

Diese Fragen sind keine Romantik. Sie sind ein Indikator! Denn wo die Beziehung nur aus Besitz besteht, aber nicht aus Kenntnis, Nähe und Verantwortung, dann entstehen Lücken. Und in diesen Lücken leben viele unserer Rennpferde! – manchmal leise, manchmal sichtbar, oft zu spät erkannt.

Das „Glück in der Hand“ – Wunsch aller Besitzer von Rennpferden
Wer ein Pferd erwirbt – besonders ein Rennpferd – hält ein Leben, oft für sehr lange Zeit in der Hand. Ein sensibles, leistungsfähiges, wunderschönes Geschöpf, das dem Menschen vertraut, weil es muss? Es hat eigentlich keine Wahl! Dieses „Glück“ darf deshalb nicht als Statussymbol in den Besitz übergehen! Es ist jedes Mal ein Auftrag an die Züchter, Besitzer – oder an die Besitzergemeinschaften!
Wenn wir Vollblüter – Rennpferde kaufen – aus welchen Gründen auch immer –, dann darf das Ergebnis nicht nur Leistung, Erfolg oder wirtschaftlicher Gewinn sein. Das Ergebnis muss heißen. Liebe, Würde, Schutz, Fürsorge und ein Leben, das den Namen Tierwohl – Tierschutz verdient – während der Aufzucht, im Training, im Rennen und vor allem für das Danach!

 

Happach, den 18. März 2026

In Gedenken und in Liebe, an MY JUDGE mein/unser geliebter, wunderschöner, edle Richter
Hannelore Gallin-Ast