Kommentar zum PETA-Artikel

„Pferdesport: Das stille Leiden der Pferde“

Kommentar zu einem Artikel von PETA und Erkenntnisse aus der Langzeitstudie der Kinder- und Jugendförderung BOOMERANG e.V

Es ist immer einfacher zu kritisieren, statt über Jahre Langzeitstudien zu initiieren und zu begleiten.

Vorbemerkung: Das Pferd ist seit Jahrtausenden dem Mensch eng verbunden. Noch vor einigen Jahrzehnten  teilten Menschen diese Gemeinschaft mit Liebe, Hingabe, Pflichtbewusstsein und sehr viel Zeit.  In unserer heutigen Zeit gibt es ein Überangebot an Freizeitgestaltungen. Man sollte den heranwachsenden Generationen mehr Aufmerksamkeit schenken und  sie  wieder für Tiere, Natur und Umwelt sensibilisieren. Was hat das alles mit Pferden und dem Rennsport zu tun?

Der „Galoppsport“ unterscheidet sich wesentlich vom Dressur- bzw. Springsport. Die Gangart „Galopp“ entspricht in besonderer Weise der natürlichen Veranlagung eines Pferdes. Vollblüter, die in den ersten zwei Jahren spielerisch an diesen Sport herangeführt werden,[1] müssten nicht im Alter von drei bis vier Jahren monatelang in staubigen Hallen „eingebrochen“ werden.

Aufgrund von seit Jahrhunderten verfolgten Selektionskriterien kommen nur die Begabtesten und Besten einer Generation von Vollblütern an den Start. Wir haben es hier mit Leistungssportlern zu tun, sowohl mit jungen gut trainierten Reitern, als auch mit den betroffenen Tieren. Dieser Umstand sollte mehr – als in der Vergangenheit – auch bei uns wahrgenommen werden und sollte  im Vergleich zu unseren Nachbarländern  zur Unterstützung und Anerkennung durch Medien und Gesellschaft führen.  Besonders der Hochleistungssport „Rennreiten“ sollte in Deutschland mehr Beachtung finden,  als bisher.

Ein kleines idealistisches Team aus dem Galoppsport hat bereits in den 90-er Jahren trotz kleinem Budget einige Initiativen ergriffen. Ein Ergebnis ist eine Langzeitstudie, die u.a. untersucht, wie die Lebenserwartung eines zweijährigen Vollblüters aussieht, der bereits mit zwei Jahren für Rennen eingesetzt wurde.

Heute, nach über 20 Jahren, können wir festhalten, dass nach dieser frühen Vorbereitung und einer späteren Umschulung für den Freizeitsport unsere ehemaligen „Galopper“ eine Lebenserwartung von teilweise weit über 25 Jahren überschritten haben. Sie blieben gesund und munter und können weiterhin ohne Probleme im Freizeitsport für Kinder und Jugendliche aktiv bleiben. Dies mag vielleicht erstaunlich erscheinen, weil alle Tiere seinerzeit im Alter von vier bis fünf Jahren wegen Verletzungen und/oder abfallenden Leistungen aus dem Sportgeschehen ausscheiden mussten. Nach der Übernahme der Tiere und ihrer Rekonvaleszenz und Heilung wurden sie im Rahmen einer privat finanzierten Studie überwiegend für die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Selbstverständlich kann man nach den guten Erfahrungen aus dieser Studie weitere Verbesserungen einführen, geschulten Unterricht anbieten und Erfahrungen und Erkenntnisse mit Fachleuten diskutieren und weiter geben. 

Fazit dieser Studie: Vollblüter sind robuste, zum Hochleistungseinsatz gezogene Pferde. Sie sind intelligent, aufmerksam und sehr menschen-bezogen. Ihr Verhalten ist stabil und verlässlich. Sie sind mit starken Nerven ausgestattet und für den Freizeitsport sehr gut geeignet. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sie nicht nur für Jugendliche  geradezu ideale Begleiter werden können.

Eine weitere Bemerkung aufgrund der Beobachtungen zum Verhaltens der Tiere: Einen Vollblüter kann man nicht dazu zwingen, Monate lang erfolgreich Rennen zu bestreiten. Er ist nicht nur „clever“, sondern mit einer guten Beobachtungsgabe und mit einem starken Willen ausgestattet. Wenn ihm etwas nicht gefällt– dann legt er ein entsprechendes Verhalten an den Tag und entzieht sich dem Galoppsport. Nur mit Geduld, Umsicht, einem durchdachten Trainingsplan, mit Liebe und viel Zuwendung stellen sich Harmonie und Erfolg ein. Dann allerdings geht er für seinen Besitzer durchs „Feuer“. Sie wissen genau, wenn sie als Sieger vom Platz gehen. Dieses Messen der eigenen Stärke zeigen sie täglich auch auf unseren weitläufigen Koppeln.

Sie geben uns alles und wir können aufgrund unserer Erkenntnisse und dieser Langzeitstudie aufzeigen, dass wir einen guten Weg gefunden haben. Vielleicht können wir etwas von dem zurückzugeben, was diese edlen Tiere an Glück, Freude, Ergebenheit und Stolz ihren Züchtern, Besitzern und Reitern geben können.

Unsere „Renn-Pferde BOOMERANG gGmbH“ wird praktische Veränderungen zur Pflege und Haltung weiter untersuchen und sich mit Verbänden, Umweltschützern und den Haltern darüber in Verbindung setzen, wie ein gutes „Danach“ nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Rennsport und ein weiterhin gutes Miteinander möglich wird.

Dazu müssen auch die Medien vorbereitet werden und diese könnten den Sport transparenter vermitteln, damit dieser Sport auch in Deutschland endlich mehr Beachtung findet.  z.B. wären mehr Förderung und Berichte über den „Junior-Cup“ ein guter Anfang, auch für eine bessere finanzielle Unterstützung der Projekte. Negative, einseitige Berichte führen zu wirtschaftlichen Engpässen bei Trainern und Verantwortlich,  schaden einzig und alleine den  Tieren und verschlimmern deren Existenz!! Neben ca. 3000 Arbeitsplätzen ist auch die Zukunft von über 2400 Zuchtstuten, 1000 Fohlen und über 8000 anderen Vollblütern in Gefahr“, Hochgewettet wird auch in anderen Sportarten. wie z.B. beim Fußball, um teure Spieler einzukaufen.  Die Pferdewette ist seit 1922 im Rennwettlotteriegesetz geregelt. Wett-Erlöse aus Rennen  sichern  Leistungsprüfungen,  Arbeitsplätze und den Erhalt denkmalgeschützter Rennbahnen und deren Einrichtungen für ein geschontes Training der Tiere.   Ein Vorschlag: Eine Kochsendung weniger und stattdessen (Insider-) Beiträge über Rekonvaleszenten oder dgl. senden. Die Einschaltquoten könnten die Erwartungen übertreffen…..

Wir, vom Galoppsport haben eine Verantwortung und diese Verantwortung sind wir bereit umzusetzen…………

Happach, zum Frühlingsanfang 1. März 2016

[1] Kein Züchter oder Eigentümer wird diese wertvollen, teuren Geschöpfe „verheizen“ – sie werden wie „Prinzen“ und „Prinzessinnen“ behandelt. und nur eingesetzt, wenn sich entsprechende gesundheitliche Eignung und Begabung erkennen lassen.