Deutscher Galopp – Sonderfonds für ehemalige Rennpferde

Chancen für eine neue Existenz nach der Rennkarriere

Rennpferde beeindrucken durch ihre Eleganz, Schnelligkeit und Leistungsbereitschaft. Doch ihre Sport-Karriere ist oft kurz, was danach kommt, bleibt häufig im Verborgenen. Für viele ehemalige Rennpferde bedeutet das Karriereende eine unsichere Zukunft. Oft finden sie keinen Einsatz in der Zucht oder im Freizeitsport und sind dadurch von Vernachlässigung oder gar einer Schlachtung bedroht. Ein Sonderfonds für ehemalige Rennpferde, der gezielt das „Rehoming“ – die Rückkehr dieser Pferde in ihre Vollblut-Herdengemeinschaft unterstützt, wird nachhaltige, auch wirtschaftliche Perspektiven für den Rennsport schaffen.

 

Das Leben eines Rennpferdes

Rennpferde, insbesondere Vollblüter und Traber, beginnen ihre sportliche Ausbildung, meist in sorgfältig überwachten Pre-Trainingsanlagen im Alter von zwei oder drei Jahren. Die aktive Rennkarriere ist körperlich und mental eine Herausforderung und endet in der Regel im Vergleich zu anderen Sportpferden bereits in einem Alter von lediglich vier bis acht Jahren. Mit dem Karriereende stehen daher viele Pferde vor einer ungewissen Zukunft, denn nicht alle eignen sich für die Zucht und nur wenige finden schnell ein neues artgerechtes Zuhause als Reit- oder Freizeitpferd.

 

Nach der Karriere im Rennsport

  • Nach einem frühen Karriereende sind viele Pferde noch jung, gut ausgebildet und leistungsfähig.
  • Finanzielle Belastung für die Besitzer: Die mtl. Kosten für nicht aktive Rennpferde, wie Unterhalt, Umschulung und medizinische Versorgung übersteigen häufig die Ressourcen der Besitzer, wenn sich bereits ein Nachfolger aktiv im Training befindet. Deshalb sollten während der aktiven Zeit eines Rennpferdes die wirtschaftlichen Folgen (Renten) sowie die Unterbringung in einer Vollblut-Dependance gesichert werden, schon aus wirtschaftlicher Vorsorge.
  • Für den Deutschen Rennsport: Das angemessene Engagement für das Wohl der Tiere verbessert das Image der Branche, fördert eine nachhaltige, ethisch verantwortliche Ausrichtung und eröffnet außerdem neue wirtschaftliche Marktchancen.

 

Der Sonderfonds: Ziele und Aufgaben

Der Sonderfonds für ehemalige Rennpferde setzt sich dafür ein, den Tieren eine zweite Chance zu bieten. Im Vordergrund steht das Rehoming: Rückführung in die Herdengemeinschaft, mit einer fachlichen Umschulung und die anschließende Weitervermittlung in ein neues, artgerechtes Zuhause (Vollblut-Dependance).

 

Vermittlungsprozess, vgl. Rehoming Vollblut-Dependancen

Vorbereitung: Das Wohlbefinden und die Gesundheit eines Pferdes sind maßgebliche Voraussetzungen für Lebensfreude und Langlebigkeit eines Tieres. Ein detaillierter Bericht über Zustand und Befindlichkeit eines Pferdes hilft dabei Auffälligkeiten mitzuteilen. Somit können unmittelbar nach dem Wechsel von der Rennbahn in Vollblut-Dependancen geeignete Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden, um die optimale Eingliederung sicherzustellen. Ein Bericht mit einem umfassenden Überblick über die wichtigsten Aspekte der Beurteilung des Gesundheitszustandes eines Pferdes, von der äußeren Erscheinung bis zum Verhalten und zur medizinischen Beurteilung sollten gut vorbereitet vorliegen:

  1. Fachgerechte, vorsichtige Eingliederung in den Herdenverband.
  2. Umschulung: Das Pferd erhält einen Trainerbericht, Hinweise für die anstehende Eingliederung und einen Entwurf für eine anschließenden Ausbildung. Somit könnten Vorbereitungen wie z.B. Gelassenheitstraining, Bodenarbeit und erste Erfahrungen als Reitpferd mit Ruhephasen vorgelegt werden.
  3. Vermittlung: Interessierte Neu-Eigentümern und Halter werden beraten und gezielt ausgewählt. Die Vermittlung erfolgt mit einem speziellen Schutzvertrag (Deutscher Galopp) und mit nachhaltigen, verbindlichen Anweisungen.
  4. Langfristige Begleitung: Auch nach erfolgreicher Vermittlung bleibt die Unterstützung bestehen, etwa durch Beratung oder Rücknahmeoptionen, sollte es im neuen „Zuhause“ Schwierigkeiten geben.

 

Finanzielle Unterstützung

Ein derartiger Fonds sammelt Mittel aus verschiedenen Quellen, etwa durch Rennsportverbände, Spenden von Privatpersonen, Unternehmen oder Stiftungen. Diese Gelder werden gezielt eingesetzt und unterstützen u.a. die Finanzierung während der Umschulungen,

  • Finanzierung der Unterhaltskosten während der Übergangsphase (z. B. Futter, Stall, Tierarzt)
  • Training und Umschulung für neue Aufgaben (z. B. als Reitsport-, Therapie- oder Freizeitpferd)
  • Vermittlungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung für neue Eigentümer
  • Unterstützung bei der Betreuung schwieriger oder älterer Pferde
  • Jugendsportförderung

 

Zusammenarbeit mit Organisationen

Der Fonds des Deutschen Galopp arbeitet eng mit Vollblut-Dependancen zusammen. Ein kleines professionelles Team wird sich u.a. mit Verbänden, Tierheimen, Gnadenhöfen, Industriefirmen und mittelständigen Einzelunternehmen, Versicherungen, öffentlichen Stellen usw. austauschen. Erfahrenes Fachpersonal in Zusammenarbeit mit den Trainern übernimmt eine erste Einschätzung der angemeldeten Pferde und die Ausbildung mit anschließender Auswahl eines geeigneten neuen Platzes. Eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit kann ein Bewusstsein für die Bedürfnisse ehemaliger Rennpferde in der Gesellschaft wecken.

 

Beispiele erfolgreicher Rehoming-Projekte

Zahlreiche Initiativen, wie z.B. der Happach-Hof (bereits seit 25 Jahren aktiv) zeigen, wie ein gelungenes Rehoming organisiert werden kann. In Ländern wie Frankreich, England oder Australien gibt es bereits etablierte Programme, die eng mit Rennställen, Trainern und Besitzern zusammenarbeiten. Mit einer gezielten Schulung von Kindern und Jugendlichen und mit einer sorgfältigen Auswahl der neuen Umgebung entwickeln sich enge Bindungen zwischen Menschen und Tieren. Pferde erreichen in dieser Umgebung ein hohes Alter bei guter Gesundheit.

 

Happach, den 23.07.2025
Hannelore Gallin-Ast