November 2016

Pferde – Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit – kleiner Rückblick und neue Projekte für 2017

Der Herbst hat Einzug gehalten und wir bereiten uns auf eine stürmische, kalte Jahreszeit vor. Dazu gehören, dass die Stallanlagen überprüft werden, ob die Heizungen der Wasserleitungen funktionieren, Fenster u. Türen  entsprechend abgedichtet sind. Es bedarf Reparaturen an den  Aussenanlagen  die noch dringend vor dem Frost erledigt werden müssen.

Vorbereitung auf das neue Jahr 2017

Zu schnell sind die Wochen und Monate vergangen und in den nächsten Tagen müssen wir unser Budget 2017 ausarbeiten und neue Einnahmequellen erschließen. Der Oktober zeigte sich gnädig, so dass unsere Helden/innen gutgelaunt auf den Koppeln weitertoben konnten. Der November ließ uns plötzlich wieder fühlen und erahnen, wie viel Arbeit und Mühe in den nächsten Wochen anstehen und all das bei tiefen Temperaturen und eisigen Winden. Unsere Helden sehen dies gelassener. Wohl ausgestattet mit neuen 250 – 450 g wasserdichten Highneck-Decken und zusätzlich neuen Stalldecken (mit Teddykragen) – auch aufgrund einer großzügigen Sach-Spende von Reitsport Steigbügel, München spazieren alle „Helden/innen“ stolz und warm verpackt auf den Paddocks. Unsere Kinder und Jugendlichen haben ebenfalls mit ihren Taschengeldern (und Verdiensten durch Zeitungsaustragen und weiteren Heimarbeiten) dazu beigetragen, dass ihre Lieblinge es kuschelig und warm haben. Ja – der eine oder andere wird stauen. So sind nun mal unsere „Blüter“. Sie frieren schnell, brauchen ihre Rückzugsmöglichkeit in einer gut eingestreuten Strohbox aus Biodinkel und Schwarzhaferstroh mit einer Boxenunterlage aus Bio-Miscanthus-Großtiereinstreu. Die Stallluft ist angenehm, es gibt keine klamme Feuchtigkeit – im Gegenteil, mancher hat das Bedürfnis sich selbst zu einem kurzen „Nickerchen“ in die sauberen Boxen zu legen. Das passiert sogar – zwar nicht uns, sondern alle Katzen kuscheln in den Ecken. Der/Die eine oder andere Helden/inen haben sogar ihre spezielle „Pferdekatze, wie z.B. BECKHAM und LITTLE“.  

Unser Neuzugang Dagostino (2006), 10-järiger Wallach, ist mittlerweile integriert spielt mit BECKHAM und BEAU FAIRE und wenn es zwischendurch schön und trocken ist, dann beginnt ein Wettkampf mit allen Bewegungen: Buckeln – Steigen – Rundlauf – Aufmuntern – und Galoppieren, die schönste Gangart der muskulösen ehemaligen Rennpferde. Erstaunlich sind ihre Trittsicherheit und ihre Kehrtwendungen bei vollem Galopp. Auch die „Älteren“ toben mit und allen voran unser 30- jähriger NetLine.

Die Mädels stehen den „Herren“ natürlich nicht nach und als ob sie auf sich aufmerksam machen möchten, zeigen sie sich in ihren schönsten Bewegungen an den Abgrenzungen zu unserer „Männerkoppel“. Dabei wird natürlich ausreichend geflirtet. Beau-Fair, seinem Namen gerecht werdend, Dagostino – unser Hübscher und Anton – unserer Rumtreiber sind an vorderster Stelle und wenn es zu viel wird, dann kommt ruhig und gelassen unser Chef BRISK ARROW in voller Würde, legt leicht die Ohren an und schon trollt man sich, wie selbstverständlich, an die unterste Koppelecke, um zu grasen. Dabei beobachtet man natürlich die hübschen Damen, die bereits wieder mit einer galanten Kehrtwende im vollen Galopp auf die zweite, offene Waldkoppel sausen. Ja, wir sind „Rennpferde“ und wir können sogar akrobatische Einlagen zeigen. Dies als Reiter zu beobachten, abverlangt in diesen Momenten einfach nur Respekt und das Wissen um diese edlen Geschöpfen und ihrer Zugehörigkeit zu uns Menschen.

Das zeigt sich jedes Mal, wenn unsere kleine 9- jährige Antonia (28 kg) ihre Pflegestute AtHome oder aber auch unsere Dona (11 Jahre) oder Aleyna (11 Jahre) ihre Pflegepferde von den Koppeln holen. Mittlerweile kommen die Pferde den Kleinen bereits entgegen und in den nächsten zwei Stunden spürt man eine Vertrautheit und eine Verbundenheit, die man schlicht als „Liebe zueinander“ empfindet. Jeder Züchter oder Pferdebesitzer kennt die Problematik, wenn sich eine Herdengemeinschaft gebildet hat, besonders bei den älteren Stuten, die ja die Führung der Herde übernommen haben, ist es nicht einfach ohne Probleme die Leitstuten aus der Herde zu nehmen. Wir lassen die Kleinen auch möglichst in Ruhe, nur kleine Korrekturen werden angeregt, denn was sich rein natürlich entwickelt, ob es der richtige Sitz, die korrekte Gangart oder aber auch das Maß an Arbeit ist, unsere kleinen Reiterinnen wissen exakt, was notwendig ist. Von der Vorbereitung zur Pflege, das Hufauskratzen, das Satteln und Auftrensen, alles wird von den kleinen Pferdepflegerinnen wie selbstverständlich erledigt. Die Tiere helfen dabei, sie machen sich klein, halten den Kopf tief und bleiben ruhig an der Aufstiegshilfe stehen. Wir achten darauf, dass jeder vor dem Reiten sein Pferd auf dem Platz einige Runden führt und das Stehenbleiben und Rückwärtsgehen übt, bevor man dann endgültig in den Sattel klettert. Nach den ersten zwei Reitrunden wird dann nochmals der Sattelgut nachgezogen. Dass dabei Kind und Pferd sich steigern und sich mehr und mehr in den Bewegungen abstimmen, zeigt wie wichtig es ist, nicht immer mit starren Unterrichtsmethoden, die Veranlagung von Mensch und Tier zunichte zu machen. Die Mädels spüren instinktiv, was ihren Pflegepferden gut tut. Dabei werden natürlich alle Neuigkeiten erzählt, so dass die Tiere über den täglichen Ablauf von Antonia, Dona und Aleyna bestens Bescheid wissen. Und noch etwas kommt hinzu: auch unsere Pferde übernehmen ihre Aufgaben und diese nehmen sie sehr ernst. In klarer, nonverbaler Kommunikation teilen sie sich den Kindern mit. Wir unterbinden das nicht, sondern fördern es, denn auch die Pferde haben ein Mitspracherecht über Stellen, die noch gebürstet werden müssen, Hufe, die noch ausgekratzt gehören oder wie der Sattel liegt. Für uns – nach all den Jahren der Untersuchungen und Dokumentierungen – gibt es nur eine Erklärung, die Pferde, insbesondere die Stuten sehen die Kinder in der Herdengemeinschaft als Fohlen. Anders lassen sich diese Beobachtungen nicht erklären.

Exkurs:
Der Dokumentationsfilm von Gestüt Fährhof über das Ausnahme-Rennpferd Lomitas „His Story“ hat in New York den Equus Award - den Pferde Oscar – gewonnen. An dem Beispiel von Lomitas kann man erahnen, dass die Vollblüter überaus sensibel auf jede Art von Vorgängen reagieren. Sowohl im negativen Sinn, dass Lomitas nicht mehr in die Startbox ging – als auch im positiven Sinn, dass er es nach den Trainings mit dem Pferdeflüsterer Monty Roberts wieder tat, als wären all die Dramen nicht gewesen. Auf den Punkt gebracht: Wäre Lomitas nicht so clever und intelligent gewesen, wäre er nicht so ein Ausnahmerennpferd geworden.  Den Kurzfilm „Lomitas – His Story“ sehen Sie mit freundlicher Genehmigung von Gestüt Fährhof auf unserer Webseite unter „Videos“.

Meditationsweg: Mittelstation ist unser Backhaus aus dem 18. Jahrhundert

Über unsere Bemühungen zur Renovierung unseres Happacher-Backhauses informiert unsere gesonderte Presseerklärung.

In den nächsten Tagen wird unser Backhaus weihnachtlich geschmückt und bei Punsch und selbstgebackenen Plätzchen kann man sich über Sachstand und Pläne informieren. Wir sind dankbar für Ideen und Vorschläge, damit wir nach der Renovierung und der Fertigstellung dieses denkmalwürdigen Backhauses in 2017 unser Brot mit vielen Mitstreitern selber backen können. Dazu werden wir uns eigenes Bio-Dinkel und Weizenmehl anbieten können.

Planung für 2017

Das Thema Miscanthus wird natürlich auch im kommenden Jahr eines unserer Hauptprojekte sei. Daneben haben wir einen ganz besonderen Workshop in Planung: „Seelenbretter“- mit der Künstlerin Bali Tollak (www.balitollak.de): Sinn- und Lebenssprüche, künstlerisch dargestellt auf einem wetterfesten Holzbrett.

Neben unseren WorkShops „Das Leben ist (k)ein Ponyhof“ und „Die Helden von Happach“ werden wir nächstes Jahr auch Tierbegegnungen mit den Helden von Happach und weitere Möglichkeiten, unsere Pferde kennenzulernen, anbieten. Wir sind dabei diese und weitere Projekte im Einzelnen ausarbeiten und anbieten.

Dabei vergessen wir aber nicht, dass alle Aktionen, die wir überwiegend ehrenamtlich mit einem hohen Zeitaufwand durchführen, zur Erhaltung unserer „Helden“ dienen und durch die Einnahmen das Zuhause der Helden hier in Happach damit abgesichert wird.

Unser Weihnachtswunsch:

Weitere Kraft und Energie für unsere Projekte und die Bitte an alle Leser unserer Rundbriefe, über dieses Projekt zu sprechen, unsere Erkenntnisse weiter zureichen an Freunde, Bekannte und Interessierte. Viele Wege erreichen das Ziel. Und unser Ziel ist es seit mehr als 16 Jahren, das würdige „Danach“ ehemaliger „Leistungssportler – nämlich das unserer „Rennpferde“ abzusichern.

                                                                                   Happach, den 25.November 2016

Hannelore Gallin-Ast